Die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung wurde am 30. Dezember 2008 als Stiftung des öffentlichen Rechts in Berlin errichtet. Träger ist das Deutsche Historische Museum. Zweck der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung ist es, im Geiste der Versöhnung die Erinnerung und das Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik und ihren Folgen wachzuhalten. Flucht und Vertreibung der Deutschen bilden einen Hauptakzent der Stiftungsarbeit und werden im Zusammenhang europäischer Vertreibungen im 20. Jahrhundert dargestellt.
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Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen mussten in der Nachkriegszeit zunächst mit provisorischem Wohnraum versorgt werden. Einquartierung in Privathaushalten oder Unterbringung in Lagern sollten keine langfristige Lösung sein. Deshalb wurden seit den 1950er Jahren vielerorts Siedlungen errichtet, in denen die Heimatlosen ein neues Zuhause fanden.
© BArch, B 145 Bild-F000102-0008
Die Kulturgemeinschaft Borussia wurde 1990 gegründet. Der Verein setzt sich für die Vermittlung von Geschichte und Kultur der vielfältigen Landschaften des ehemaligen Ostpreußen ein und arbeitet mit zivilgesellschaftlichen Initiativen in Polen, Deutschland, Litauen, Russland, der Ukraine und Weißrussland zusammen. Gegenwärtig wird das »Haus der Reinigung« (Bet Tahara) auf dem jüdischen Friedhof restauriert, in dem ein Kulturzentrum entstehen soll. Es war das erste Projekt des weltberühmten Architekten Erich Mendelsohn, der 1887 in Allenstein geboren wurde.
© Fotoarchiv Wspólnota Kulturowa Borussia, Olsztyn
Im März 1945 wurde die alte Hansestadt Danzig von der Roten Armee eingenommen. Die meisten Einwohner flüchteten nach Westen. Die verbliebene deutsche Bevölkerung wurde nach Kriegsende vertrieben.
© Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst, Fotograf: Timofej Melnik
Das Ende des 12. Jahrhunderts gegründete Dorf Deutsch-Weißkirch (rumänisch Viscri, ungarisch Szásfehéregyháza) war fast achthundert Jahre überwiegend von Siebenbürger Sachsen bewohnt. Seit den 1980er Jahren siedelten fast alle Dorfbewohner in die Bundesrepublik Deutschland aus. Dorfkern und evangelische Kirchenburg wurden 1999 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
© Wikimedia
Ethnisch motivierte Auseinandersetzungen zwangen in den 1990er Jahren Menschen unterschiedlicher Herkunft auf dem Balkan, ihre Heimat zu verlassen. Im Kosovo eskalierten seit 1998 die Konflikte zwischen Serbien, zu dessen Staatsgebiet das Kosovo gehörte, und den Kosovo-Albanern, die nach Unabhängigkeit strebten. Kosovo-Albaner und Serben mussten flüchten oder wurden brutal vertrieben. Das Foto zeigt eine albanische Familie, die in das zerstörte Djacovica zurückkehrt.
© Georges Merillon/Gamma Rapho/Getty Images
Seit dem 16. Jahrhundert spannt sich die Alte Brücke über den Fluss Neretva in Mostar. 1993 wurde sie während des Krieges in Bosnien völlig zerstört. Drei Jahre später begann man mit der Rekonstruktion der Brücke und eröffnete sie 2004 erneut. Sie verbindet den östlichen, bosnisch geprägten Stadtteil mit dem kroatisch dominierten Westen und symbolisiert die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben aller ethnischen und religiösen Gruppen.
© Wikimedia, Ramirez Hun
Ab 1939 begannen die deutschen Besatzer, Polen aus den annektierten Gebieten in das Generalgouvernement zu vertreiben oder zur Zwangsarbeit nach Deutschland zu deportieren. Der entfesselte Terror und die systematische Vernichtung der polnischen Eliten forderten unzählige Todesopfer. Das Foto zeigt Vorbereitungen zur Aussiedlung polnischer Dorfbewohner durch Soldaten der SS und der Polizei.
© BArch, Bild 101III-Wisniewski-015-25A/Wisniewski
Nationale Spannungen prägten die Zeit zwischen den Kriegen in Europa. Ein Beispiel ist das von Italienern und Kroaten bewohnte Rijeka, auf das sowohl Italien als auch das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen Anspruch erhoben. Kurzfristig zum »Freistaat Fiume« erklärt, wurde die Stadt zum Schauplatz erbitterter Konflikte und 1924 endgültig vom faschistischen Italien annektiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchteten die meisten Italiener aus dem nunmehr jugoslawischen Rijeka.
© Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Deutschen Spuren in den böhmischen Ländern gilt das Augenmerk des tschechischen Vereins Antikomplex. Das verschwundene Sudetenland/Zmizelé Sudety ist eines seiner Projekte. In einer Wanderausstellung werden alte Fotos einst deutscher Ortschaften neuen Aufnahmen gegenübergestellt. Hier sind Überreste des Dorfes Grafenried/Lučina im lange Zeit unzugänglichen Grenzstreifen zwischen Böhmen und Bayern zu sehen.
© Antikomplex, Zdeněk Procházka
Der internationale Vertrag von Lausanne legitimierte 1923 ethnisch motivierte Vertreibungen. Griechen und Türken, die von den Balkankriegen 1912/13 bis zum griechisch-türkischen Krieg 1919‒22 ihre Heimat verloren hatten, wurde das Rückkehrrecht verweigert. Das Foto zeigt das griechische Thessaloniki im Jahr 1917, als noch Minarette auf die türkisch-muslimische Bevölkerung hinwiesen.
© Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene waren 1950 in den beiden deutschen Staaten registriert. Sie mussten ihr Leben unter äußerst schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen bestreiten. Kulturelle Unterschiede stellten eine Herausforderung für das Zusammenleben von Einheimischen und Neuankömmlingen dar. Das zeigte sich auch in der traditionellen Kleidung, an der etwa die Ungarndeutschen weiterhin festhielten.
© Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm
Heute kaum bekannt, sah der Erste Weltkrieg unzählige Menschen in Europa auf der Flucht. Von Frankreich im Westen bis zum Osmanischen Reich und Russland im Osten gehörten flüchtende Menschen und Deportationszüge zu den Phänomenen des Krieges. Etwa 1,5 Millionen belgische Zivilisten flohen 1914 vor dem deutschen Besatzungsregime ‒ fast ein Fünftel der Bevölkerung. Nach Ende des Krieges konnten die geflüchteten Belgier in ihre Heimat zurückkehren.
© Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Auch heute sind Millionen von Menschen in der ganzen Welt, vor allem in Afrika und Asien, von ethnischen Konflikten betroffen. Zufluchtsorte für Flüchtlinge und Vertriebene sind oft Nachbarstaaten, die den Flüchtlingsstrom kaum bewältigen können. Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) ist mit der humanitären Unterstützung der Flüchtlinge beauftragt. Dazu gehört zum Beispiel die Errichtung von Zeltlagern (hier in Mazraq im Jemen).
© Khaled Fazaa/AFP/Getty Images
In zahlreichen heute tschechischen Städten wohnten vor 1945 mehrheitlich Deutsche, wie etwa in Trautenau/Trutnov im böhmischen Riesengebirge. Der Ringplatz mit den markanten Laubengängen prägt noch immer das Stadtbild.
© Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts häuften sich Übergriffe auf die im Osmanischen Reich lebenden Armenier. 1915/16 gipfelten die Konflikte in einer systematischen Deportation, die zur weitgehenden Auslöschung des reichen armenischen Lebens im Osmanischen Reich führte. Kirchen und Klöster wurden geplündert und zerstört. Die Restaurierung der armenischen Kirche auf der Halbinsel Akdamar im Van-See in Anatolien könnte nach fast einhundert Jahren das Zeichen für einen neuen Anfang sein.
© Tuul/Robert Harding World Imagery/Getty Images
Während des Zweiten Weltkrieges wurden mehr als eine Million Deutsche aus dem Machtbereich der Sowjetunion zu einem großen Teil in dem vom Dritten Reich annektierten »Warthegau« angesiedelt. Das Foto zeigt die Ankunft von Deutschen aus Bessarabien im Durchgangslager Prahovo in Serbien. Es stammt aus den Aufzeichnungen einer Helferin, die Umsiedlerzüge begleitet hat.
© Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Das beiderseits der finnisch-sowjetischen Grenze gelegene Karelien war im Zweiten Weltkrieg ein umkämpftes Gebiet. Während des von Stalin begonnenen Winterkriegs 1939/40 wurden rund 420.000 finnische Karelier evakuiert. 1941 kehrte ein Teil zurück, 1944 zwang eine Offensive der Sowjetunion abermals Hunderttausende Karelier zur diesmal endgültigen Flucht. Karelien wurde überwiegend der Sowjetunion zugeschlagen.
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Die organisierte Vertreibung der Deutschen durch polnische Behörden erreicht ‒ nach einer Übereinkunft mit der britischen Besatzungszone ‒ 1946 in der »Aktion Schwalbe« einen Höhepunkt. Davon betroffen waren auch Millionen Menschen in Schlesien, der bevölkerungsreichsten Provinz im Osten des Deutschen Reiches. Das Bild zeigt Niederschlesier im Februar 1946 vor der Minoritenkirche in Glatz auf dem Weg zum Bahnhof, von wo sie mit Viehwaggons nach Westen abtransportiert wurden. Deutlich sind die weißen Armbinden sichtbar, die sie als Deutsche kennzeichneten.
© Archiv Zentralstelle Grafschaft Glatz/Schlesien e.V., Lüdenscheid